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Die Impfkampagne gegen das Coronavirus nimmt immer mehr an Fahrt auf. Doch sollte das Impfen nicht zügig flächendeckend auf die vertragsärztlichen Praxen ausgeweitet werden, könnten schon bald Millionen Impfdosen liegenbleiben. Das geht aus einer wissenschaftlichen Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums hervor, bei der Impfszenarien modelliert wurden. Laut Zi könnte es bereits im März zu einem „Impfstau“ kommen – wenn die von der Bundesregierung avisierten Impfstoffmengen wie erwartet geliefert und weiterhin nur in den Impfzentren verabreicht werden.

Arztpraxen schnellstmöglich nutzen

Bleiben die Praxen außen vor, rechnen die Wissenschaftler ab Mai mit mindestens drei Millionen und ab Juli mit rund 7,5 Millionen nicht verimpften Dosen pro Woche. „Das Impfen in den Haus- und Facharztpraxen ist der einfachste Weg, viele Menschen zu impfen. In den ersten drei Quartalen in 2020 wurden dort 3,5 Millionen Pneumokokken- und Influenza-Impfungen verabreicht. Wer, wenn nicht die Niedergelassenen, könnten auch die Mammutaufgabe der Corona-Schutzimpfungen stemmen?“, sagt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein.

Zi: Eine Million Impfungen pro Tag in den Praxen möglich

Laut Zi-Modellierung ist von gut 50.000 Praxen auszugehen, die im Schnitt 20 Corona-Impfungen am Tag vornehmen könnten – das wären insgesamt eine Million Impfungen am Tag. Die Kapazität der rund 400 Impfzentren wird aktuell lediglich auf 1,4 Millionen Impfungen pro Woche (200.000 täglich) geschätzt. „Selbst wenn diese um 50 Prozent auf 2,1 Millionen Impfungen (300.000 täglich) gesteigert werden könnte, würde die Durchimpfung der Bevölkerung etwa 450 Tage in Anspruch nehmen und wäre somit nicht bis Ende September 2021 zu schaffen“, erläuterte Zi-Vorstandsvorsitzender Dr. Dominik von Stillfried.

Wie das Impfen in den Praxen logistisch umgesetzt werden kann, hat die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Bundesverband des Pharmazeutischen Großhandels jüngst in einem Konzept skizziert. Die Auslieferung der COVID-19-Impfstoffe an die Arztpraxen könnten demnach der Pharma-Großhandel und die Apotheken übernehmen. Als zentrales Element müsse dafür aber ein festgelegter Prozess mit zeitlich vorgegebenen Fristen etabliert und exakt eingehalten werden.

Bevor es jedoch in den Praxen mit dem Impfen losgehen kann, müssen die Rahmenbedingungen z. B. zur Vergütung der Beratung, Impfung und Dokumentation über eine Rechtsverordnung des Bundesgesundheitsministeriums geregelt werden. Dazu laufen laut KBV derzeit Gespräche.

Präsentation des Zi: Modellierung von Impfszenarien (PDF)

KVNO Praxisinfo | Themen: Analyse zu „Impfstau“, neue Impfverordnung, Impfbereitschaft in Praxen, Veranstaltung Long-COVID (PDF, 320 KB)